Ein Leben für den Fußball ging zu Ende

Ein Leben für den Fußball, das Ehrenamt und die Menschen

Mit Volker Baumgärtel verlieren wir eine Persönlichkeit, die den Fußball in Braunschweig über Jahrzehnte geprägt hat. Volker war Fußballer, Schiedsrichter, Funktionär, Vermittler und vor allem aber eines: ein Mensch, für den sein Ehrenamt nie nur eine Funktion war. Für Volker war es ein Anliegen, Verantwortung zu übernehmen und etwas für die Vereine und die Menschen zu bewegen.

Sein Weg im Sport begann früh. Aufgewachsen im Harz, war Volker zunächst als Rennrodler aktiv, bevor ihn der Fußball immer stärker in seinen Bann zog. Als Spieler war er unter anderem für Kralenriede und den SV Lindenberg aktiv. Seit 1971 gehörte er dem SV Lindenberg an, dessen Ehrenmitglied er später wurde.

 Am 7. November 1981 begann seine Laufbahn als Schiedsrichter im NFV-Kreis Braunschweig. Volker leitete Spiele bis in den damaligen Bezirk und sammelte damit jene Erfahrungen, die ihn später als Funktionär auszeichneten. Er kannte den Fußball nicht aus der Theorie, sondern hatte ihn selbst auf dem Platz erlebt.

1985 übernahm er als Schiedsrichter-Ansetzer Verantwortung im Kreisschiedsrichterausschuss. Von 1988 bis 1994 war er Schiedsrichter-Lehrwart. Später engagierte er sich unter anderem als Schiedsrichter-Betreuer bei Eintracht Braunschweig und über viele Jahre in der NFV-Kommission für Sicherheit und Prävention. Auch als NFV-Mediator wurde er 2003 benannt. Es war eine Aufgabe, die gut zu ihm passte: Volker konnte seine Meinung sehr deutlich vertreten, hatte aber ebenso die Fähigkeit, Menschen und unterschiedliche Interessen zusammenzubringen.

Seine große Funktionärslaufbahn begann endgültig im Vorstand des NFV-Kreises Braunschweig. Vom 13. Juli 1996 bis zum 16. Mai 1999 war er stellvertretender Kreisvorsitzender. 1999 übernahm er dann den Vorsitz und sollte dieses Amt 16 Jahre lang prägen. Als er 2015 auf dem 39. Kreistag seinen Rückzug erklärte und somit eine Ära endete, sagte er einen bemerkenswert einfachen Satz: „Ich wollte nie Macht, sondern etwas tun für die vielen Vereine der Stadt.“ Genau dieser Satz beschreibt Volker vielleicht besser als jede Aufzählung seiner vielen Ämter. Er suchte die Nähe zu den Klubs, war ansprechbar und scheute sich auch nicht, seine Meinung deutlich zu sagen. Und deutlich konnte Volker sein! Seine offene, ehrliche und manchmal durchaus burschikose Art prägte unzählige Vorstandssitzungen, Staffel- und Kreistage. Wer Volker Baumgärtel kannte, wusste meistens ziemlich schnell, woran er bei ihm war. Diplomatische Umwege waren nicht unbedingt seine Lieblingsdisziplin. Dafür wusste man: Was Volker sagte, meinte er auch so. Dabei war hinter dieser manchmal kernigen Art ein tiefes Verantwortungsgefühl verborgen. Er wollte, dass Dinge funktionierten. Er wollte, dass Vereine gehört wurden. Und er wollte, dass der Fußball in Braunschweig seine Eigenständigkeit und seine Bedeutung behielt. Volker dachte nicht nur an den Verband, sondern an die Bedingungen, unter denen die Vereine ihren Sport ausüben konnten.

Für sein jahrzehntelanges Engagement erhielt Volker am 2. April 2013 die Sportmedaille der Stadt Braunschweig. Eine Auszeichnung, die zu einem Mann passte, der sich seit Jahrzehnten in unterschiedlichsten Funktionen für den Sport eingesetzt hatte. Volker wurde zum 4. Ehrenvorsitzenden des NFV-Kreises Braunschweig ernannt. Er blieb seinem Fußball verbunden, blieb Ansprechpartner, Beobachter, Ratgeber und vor allem aber Volker. Volker war eine Persönlichkeit. Eine, die den Fußball kannte, weil sie selbst auf dem Platz gestanden hatte. Eine, die Verantwortung übernahm, weil sie davon überzeugt war, dass Ehrenamt vom Mitmachen lebt. Eine, die ihre Meinung sagte, auch wenn sie nicht immer bequem war. Und eine, die trotzdem oder vielleicht gerade deshalb vielen Menschen über Jahrzehnte verbunden blieb. Seine Stimme, die trockenen Kommentare, das unverwechselbare Auftreten, die gemeinsamen Gespräche werden in Erinnerung bleiben.  

16 Jahre lang stand Volker Baumgärtel an der Spitze des NFV-Kreises Braunschweig. Mehr als drei Jahrzehnte war er in unterschiedlichen Funktionen ehrenamtlich für den Fußball tätig. Doch Zahlen und Jahreszahlen können kaum ausdrücken, was seine eigentliche Bedeutung ausmachte. Und auch wenn die Sitzungen weitergehen, die Staffeltage stattfinden und der Fußball seinen Lauf nimmt - einer wird von nun an fehlen, der den Braunschweiger Fußball entscheidend mitgeprägt hat. Wir werden Volkers Rat, seine direkte Art und seinen manchmal burschikosen Humor sehr vermissen.

Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner lieben Frau Irene und allen Angehörigen.

Ruhe in Frieden, lieber Volker – wir werden dich nicht vergessen!